Back to Balance

Erste Episode: Banal? Egal!

Was banal ist, enthält keine wichtigen Informationen. Ich habe ein Banalitätsbedürfnis. Ich will Bedeutungslosigkeit. Mein Gehirn möchte so wenig Energie bei der Informationsverarbeitung aufwenden wie möglich. Alles, was mein Schubladendenken fördert, ist willkommen. Ich will mich ausschalten, um das was da in mir nicht gut ist – das Ungute -, nicht fühlen zu müssen.

 

Meine Strategie: Trash-TV! Rotwein! Fast-Soul-Food!

 

Leider ist es nicht so, dass die Banalität dem Unguten den Platz wegnimmt, sodass es in mir verschwindet. Es wird überlagert. Angetrieben durch mein Banalitätsbedürfnis haben sich während der vergangenen Jahrzehnte viele Schichten der Bedeutungslosigkeit über das Ungute gelegt. Und jetzt ist es so wie beim Streichen einer alten Wand in einem alten Haus. Die Farbe bleibt an der Farbrolle kleben und reißt schichtenweise Tapeten mit, bis ein Muster aus den 70er Jahren zum Vorschein kommt. Hässlich. Schnell das Stückchen Tapetenschicht von der Farbrolle fischen und in die Lücke puzzeln.

 

Trash-TV! Rotwein! Fast-Soul-Food! Ahhh!

 

Was folgt ist ein gutes Gefühl. Na ja, früher hat es sich besser angefühlt, wenn ich meine Zeit mit stumpfen Sinn verbrachte. Heute scheint irgendwie immer ein bisschen Tapete durch.

Meine Strategie, stressbedingte Dysbalance durch βEndorphin auslösende Belohnungssituationen wie Alkoholkonsum oder Essen zu reduzieren (Was das bedeutet, klärt mein nächstes E-Book), oder anders: das Zelebrieren des Hedonismus, funktioniert nicht. Meine Bemühung, an positiven Gefühlen festzuhalten, um schlechte Gefühle abzuwehren, führt letztlich nicht zum Erfolg.  

 

 

Es ist nicht so, dass Glück die Abwesenheit von Negativität ist. Es ist viel mehr so, dass wahre Erfüllung erst durch die Akzeptanz von schlechten Gefühlen entsteht. Das belegt auch eine aktuelle Studie der Universität von Toronto. Wer es schafft, negative Emotionen zu akzeptieren, ohne sie zu beurteilen, hat ein besseres psychisches Wohlbefinden, eine größere Lebenszufriedenheit, ist weniger depressiv und hat weniger Angst. Es ist nicht so, dass diese Personen weniger Stress in ihrem Leben haben. Die Akzeptanz führt dazu, dass stressauslösende Situationen weniger zu negativ erlebten Gefühlen führen. Wenn wir unsere negativen Gefühle in uns aber überlagern, betäuben oder wegdrücken, werden sie mächtiger und agieren aus dem Unbewussten. 

 

Ich will die Tapeten abreißen! Ich will akzeptieren lernen. Darum führt mich mein Weg heute ins Haus der Stille. Das Haus der Stille ist eins der ältesten buddhistischen Meditationszentren Deutschlands. Mich erwartet ein einwöchiges Schweigeseminar. Namaste.